Archiv für den Monat: Mai 2022

Das Jahr 2021

Wie einige von Euch schon wissen, hat Corona uns im letzten Jahr schwer getroffen und vieles ist nicht mehr wie es mal war. Unsere Mutti ist an Corona verstorben, heute Jährt sich der Tag, an dem sie beigesetzt wurde, aber ich war nicht dabei……ich lag zu dieser Zeit auf der Intensivstation in Beeskow und wurde beatmet. Aber ich fang der Reihe nach an.

Im März 2021 kam das Corona-Virus zu uns, trotz all unserer Bemühungen das dies nicht passiert. Alle in der Familie hatten andere Symptome und unterschiedliche Verläufe. Die Kinder und meine Schwester haben es ganz gut weggesteckt. Frank hatte gar nichts und unserer Mutti, Jens und mir ging es Schlecht. Wir lagen mit Fieber im Bett. Jens hat sich nach ca. zwei Wochen ganz gut erholt und unserer Mutti ging es immer schlechter. Zu dieser Zeit haben wir uns nur Sprachnachrichten geschickt oder telefoniert, da wir ja auch in Quarantäne waren. Meine Schwester hat vieles gemanagt, Lebensmittel und Getränke organisiert und bei Ärzten angerufen unter anderem auch beim Ärztlichen-Dienst . Da wir so erzogen sind, dass man nur im „Notfall“ den Notarzt ruft, waren wir verunsichert wie wir uns verhalten sollen. Die Aussage vom besagten Dienst war folgender: …so lange Ihre Mutter noch mit Ihnen telefonieren kann, geht es ihr gut. Zwei Tage später lag sie auf der Intensivstation im künstlichen Koma und wurde beatmet. Ein paar Tage später kam ich auch ins Krankenhaus, auf die Corona-Stadtion. Dort verbrachte ich die Ostertage. Am Ostermontag wurde ich wieder entlassen. Unsere Mutti durften wir während der ganzen leider Zeit nicht besuchen. Zwei Wochen später starb unsere Mutti an den Folgen ihrer Corona-Erkrankung. Wir waren geschockt und unsere Welt stand still!
Als ich elf Jahre alt war, verstarb mein Vater und seither fürchtete ich mich vor den Tag an dem auch meine Mutti von uns geht und nun war er da. So gern hätte ich sie nochmal gedrückt oder mit ihr gesprochen. Silke und ich durften in der Pathologie von ihr Abschied nehmen, was gut war, damit wir begreifen was in den letzten 3 Wochen passiert ist. Nach dem ersten Schock gibt es dann vieles zu organisieren, unter anderem die Bestattung. Und da war es wirklich sehr hilfreich, dass wir uns frühzeitig darüber ausgetauscht hatten was sich jeder so vorstellt und so brauchten wir uns nur daran halten.

Eine gute Woche später, ging es mir schlechter und ich dachte ich hätte vielleicht durch Corona eine Herzmuskel-Entzündung oder etwas in dieser Art und bin daraufhin wieder zum Arzt, bzw. Krankenhaus. An Corona selbst hatte ich da gar nicht mehr gedacht, aber das Leben sollte mich etwas anderes Lehren. Mein Herz war in Ordnung, aber meine Lunge nicht. Drei Tage später lag ich dann auf der Intensivstation, wurde ins künstliche Koma versetzt und beatmet. Für uns alle ein weiterer Schock.

Die Zeit im Koma bzw. die Aufwachphase war eine sehr dramatische Erfahrung für mich, etwas zwischen Traum und Wirklichkeit und meist mit negativen Erfahrungen von Abhängigkeit, nicht laufen können, nicht sprechen können, Angewiesen sein, Hilfe brauchen, dem Willen anderer ausgesetzt sein.
Nach meinem Koma wurde ich dann mit einer neuen Realität konfrontiert. Ich hatte an meinen Aortenklappen-Ersatz (wurde vor 25 Jahren eingesetzt) nun eine Endokarditis und ich brauchte dringend eine neue Herzklappe.
Jetzt ging es darum eine Klinik zu finden die mich in meinem schlechten Zustand operiert und mich überhaupt transportfähig zu bekommen. Das Beatmungsgerät und ich sollten noch länger eine Einheit sein. Anfang Juni war es dann so weit, ich kam mit dem Hubschrauber nach Berlin ins Herzzentrum. Dort bekam ich eine neue Aortenklappe und konnte Mitte Juni, mit Hilfe einer Sprachkanüle, das erste Mal wieder sprechen. Das war eine große Erleichterung für mich, endlich konnte ich mich mitteilen auch wenn ich mich noch nicht bewegen konnte. Von da an ging es in die richtige Richtung, allerdings sollte es noch ein langer Weg werden bis ich meine komplette Eigenständigkeit zurück erlangt hatte. Ich übte erstmal wieder selber zu atmen und zu sprechen, zum Anfang ein halbe Stunde und dann immer mehr….später kam sitzen und viel später stehen dazu und noch viel später laufen. Mitte August war ich dann endlich wieder zu Hause, nach 115 Tagen……mit meinem neuen Begleiter, dem Rollator. Mit ach und krach konnte ich ein mal am Tag die 21 Stufen bei uns im Haus erklimmen.

Heute geht es mir wieder gut. Ich arbeite auch wieder und brauche nicht mehr darüber nachdenken wie oft ich die Treppen hoch und runter laufe. Ich habe noch Probleme mit meiner rechten Hand, so dass ich die Dinge nicht so machen kann wie ich gern möchte und meine Lunge ist noch nicht ganz die alte, aber ich lebe und bin selbständig und das ist wunderbar.

Die Türen unseres Ladens „Villa Rosengarten“ in Beeskow haben wir für immer geschlossen. So viele kleine Erinnerungen an unsere Mutti sind damit verknüpft, dass wir nicht einfach dort weiter machen konnten wie es war. Für unsere vielen Kunden tut es uns sehr Leid, aber wir brauchen diesen Abschluss für unsere Trauerarbeit.

Und so haben wir über den Winter fleißig gewerkelt und renoviert, und an Stelle unseres Ladens ist nun eine Ferienwohnung gekommen, aber dazu ein anderes Mal mehr.

In unseren Laden in Frankfurt könnt ihr uns selbstverständlich nach wie vor finden und mit viel Lust und Neugier suchen wir schöne Dinge, damit ihr es euch schön machen könnt oder anderen lieben Menschen eine Freude.

Gebt alle auf euch acht!
Eure Kathrin

Friedwald Mai 2022